Meggen ist definitiv eine Storchengemeinde

Dem Storch 3969 gefällt es in Meggen. Er ist wieder nach Meggen zurückgekehrt. Seinen Namen kennen wir nicht. Den Störchen geht es offenbar nicht besser als den Bären. Den Bären gibt man neben einer Nummer immerhin noch einen Buchstaben, wie zum Beispiel dem kürzlich im Engadin gesichteten M13. 

Storch 3969 ist also zurück. Wo er im Winterhalbjahr war, wissen wir nicht. Vielleicht flog er nach Südspanien oder gar in die Sahara, vielleicht überwinterte er lediglich im Seetal. Ist ja egal. Hauptsache er ist zurück. 

Storch 3969 hat eine Partnerin dabei. Die zwei Störche sind offenbar ein Paar. Sie haben sich wieder auf der Pappel vor dem Zentralschulhaus niedergelassen, auf der  der Storch 3969 schon letztes Jahr mit dem Horstbau begonnen hat. Hat er letztes Jahr den Horst bis zum „Rohbau“ geschafft, scheint nun der Horst fertiggestellt. Ob die Gemeinde Meggen definitiv zur Storchengemeinde wird?

weiter auf der Projektseite: Störche in Meggen

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Die Muggli von Meggen

Ernst Muggli erzählt von seiner Ahnenforschung. Seit über 14 Jahren erforscht er in vielen historischen Quellen seine Vorfahren.
Die Muggli von Meggen sind seit 1570 in Meggen ansässig und nachgewiesen. Sie sind während der Zeit der Reformation vom Zürcher Oberland in Meggen “eingewandert” und sesshaft geworden. Sie betätigten sich als Fischer Schiffer und Landwirte.

Um Weiteres zu erfahren, kommen Sie am Samstag, 24. März, 14.00 Uhr in den Gemeindesaal Meggen. Kontakt: muggli.sen@gmail.com

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Aufruf! Klassenfotos

Für das Jubiläumsfest am 30. Juni 2012 im Zentralschulhaus werden Klassenfotos der Abgängerklassen von jedem Jahrgang gesucht, siehe auch:
http://www.zentral1.ch/
Eine schöne Sammlung ist schon beisammen, vor 1960 fehlen leider noch viele Bilder.
Damit möglichst viele Klassenfotos zusammenkommen, bitte an Dominic Waltert einsenden per Post oder Mail, Angaben auf zentral1.ch. Das wird sicher eine ganz tolle Ausstellung!

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Standort des ersten Schulhauses in Meggen

Das erste Schulhaus stand tatsächlich am eingezeichneten Standort (siehe Artikel: 100 Jahr Jubiläum des Zentralschulhauses). Als die Firma Krieger ihren Betrieb ausbauten, wurde dieses Schulhaus um ca. 1980 abgebrochen.


Die ersten Schulhäuser wurden in nächster Nähe gebaut. Plan Naef 1923.

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100 Jahr Jubiläum des Zentralschulhauses

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres 2011/2012 starteten auch die Jubiläumsfeierlichkeiten. Eine spezielle Jubiläumsfahne wurde auf dem Zentral 1 gehisst. Tatsächlich ein Grund zum Feiern, obwohl die Geschichte des Megger Schulwesens schon über 200 Jahre alt ist.

Es war im Jahr 1799, als 25 Kinder im Eiholz die „Schulbank drückten“, drei Jahre später fast alle der 79 „schulpflichtigen“ Megger Kinder. Von diesen waren gemäss Rapport „29 arme Kinder, 21 reiche Kinder, 21 mittelmässigen Vermögens und 9 verdingte Kinder.“

Meggen war fortschrittlich. Vor der Schulreform der Helvetik (1798 – 1803), als die Gemeinden zum Führen eines obligatorischen Schulunterrichts gezwungen wurden, erteilte in Meggen um 1700 ein Magister und Kantor im Winter jeweils Unterricht in Lesen und Schreiben. Auch der Kaplan der Kapelle erteilte 1785 gelegentlich Unterricht. 

1806 wurde das erste Schulhaus beim heutigen Mühleweiher gebaut. Im Winter 1828/29 wurde die erste Sekundar- oder Bezirkschule eröffnet, was damals eine Seltenheit war. Denn kaum eine Gemeinde hatte ausser Meggen, Hitzkirch, Reiden und Sursee ein solches Angebot. Weil der Platz im Schulhaus zu knapp war, war die Sekundarschule in einer Stube des Eiholz einquartiert. (Lustenberger, Hans. Megger Grund & Boden. Meggen 2008)


Das erste offizielle Schulhaus in Meggen am Mühleweiher


Vermutlicher Standort des ersten Schulhauses.

Auch wenn es mancher Schüler und Schülerin nicht zu Mute ist, die Lese- und Schreibfähigkeit ist das Rüstzeug für das Leben. Zur Zeit der Reformation (16. Jh., Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin & Co.) strebte man in den unteren Schulen die Alphabetisierung an, damit die Bibel bzw. im katholischen Gebiet der Katechismus gelesen und auswendig gelernt werden konnte. Es folgten die ersten Schulobligatorien in der Schweiz, dies v.a. in den Städten und grösseren Ortschaften. Auf dem Lande, in den weit verzweigten Einzelhofsiedlungen, ging es länger. Generell konnte man besser lesen als schreiben. Die Pisa-Studien gab es noch nicht.

Jean-Jaques Rousseau und Johann Heinrich Pestalozzi  entwickelten in der zweiten Hälfte des 18. Jh. pädagogische Reformen. Die Schule habe, so lauteten die Forderungen, echte Religiosität zu fördern, gute Staatsbürger zu formen, die Unterrichtsmethoden der Jugend anzupassen und den Lehrstoff auf das praktische Leben auszurichten. Der Einzelunterricht und das mechanische Auswendiglernen wurden durch die Einführung von Klassen und neuen Lehrmethoden wie den Frontalunterricht abgelöst. Die Pisa-Studien gab es immer noch nicht.

Während der kurzen Zeit der Helvetik (1798 – 1803), war die Schweiz bestrebt, die Organisation der Schulen zu zentralisieren. Diese waren von kurzer Dauer. Nach der Auflösung des helvetischen Einheitsstaats gestalteten die Kantone während der Mediation und Restauration (1803-1830) ihr Schulwesen wieder eigenständig, was die interkantonalen Differenzen vertiefte (Pisa lässt grüssen).

Während der Regeneration (1830-1848) erhielt das Schulwesen beträchtliche Reformanstösse. Volksbildung sei Volksbefreiung, mit dem Ziel, möglichst alle Kinder zu bilden. Neben den Primarschulen wurden auch auf dem Lande Sekundar- bzw. Bezirkschulen gegründet. Der Druck auf die Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken und diese nicht für Arbeiten zu Hause einzusetzen, wurde verstärkt. Den wirksamsten Hebel zur Verbesserung des Schulwesens erkannte man in der Lehrerbildung, was zur Gründung weiterer kantonalen Lehrerseminarien führte.

Mit der ersten Bundesverfassung 1848 und v.a. mit der 1874 revidierten Bundesverfassung setzte sich das Obligatorium des Primarunterrichts durch.

 1850 wurde das heute noch bestehende Alt-Schulhaus gebaut. 1912 entwarfen die Architekten Gebr. Pfister aus Zürich das Zentralschulhaus 1.


Im Vordergrund das Alt-Schulhaus von 1850, im Hintergrund das Zentralschulhaus.
Luftbild: Paul de Groot, 2011.


Zentralschulhaus 1 um 1915



Luftbild des Zentralschulhaus 1 inmitten der für diese Zeit typischen Obstbaumgärten.
Luftbild: um 1935.


Luftbild: Martin Lötscher, 2011.


Luftbild: Martin Lötscher, 2011

In den sechziger Jahren stieg die Zahl der Schüler. Klassen mit über 50 Schülern waren keine Seltenheit. Ein weiteres Schulhaus kündigte sich an. Architekt Ribary machte sich an die Arbeit und plante das Hofmatt 1. 1964 startete der Schulbetrieb noch während des Baustellenbetriebes. Es vergingen nicht 10 Jahre, musste das Hofmatt ausgebaut werden.


Hofmattgebiet 1970.


Hofmatt-Schulhäuser. Foto: Martin Lötscher, 2011

1986 wurde für die Primarschule das Zentral 2 gebaut. Die Architekten Lüscher, Lauber und Gmür entwarfen einen halbrunden Bau. Es entstand eine interessante „Dachlandschaft“.


Luftbild: Martin Lötscher, 2009

Mit dem Bau der Dreifachturnhalle und dem Umbau der bestehenden Turnhalle wurden die Hofmatt-Schulhäuser 2005 nochmals erweitert.


Luftbild: Martin Lötscher, 2010


Luftbild: Martin Lötscher, 2010

Sind wir gespannt, wie es weitergeht!

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Ein Storch in Meggen – ein seltenes Zeitbild

Der beringte Storch (Ringnummer 3696), der in den letzten Wochen auf einer der zurückgestutzten Pappeln vor dem Zentralschulhaus zaghaft, fast ein wenig halbherzig versuchte einen Horst zu bauen, wurde im Frühjahr 1990 in Hohenems, Österreich (Voralberg) geboren.


Foto: Martin Lötscher, 2011


Ringnummer: 3696, Foto: Martin Lötscher, 2011

Entsprechend den Angaben der Vogelwarte Sempach ist er demnach 21 jährig. Gemäss früheren Beobachtungen soll der Weissstorch (Ciconia ciconia) ein Männchen sein. In den Jahren 1996, 2001 und 2002 wurde er in Deutschland brütend und als Wintergast beobachtet.


Foto: Martin Lötscher, 2011

Aufgrund der Fundmeldungen können seine Reisen verfolgt werden.

  •  22.12.1993 – Salem, Affenberg – 47°47’00”N 009°17’00”E
  • 30.05.1996 –  Salem, Affenberg – 47°47’00”N 009°17’00”E
  • 20.12.1996 - Salem, Affenberg – 47°47’00”N 009°17’00”E
  • 29.09.1997 - Ertingen – 48°06’00”N 009°28’00”E
  • 19.08.1998 - Herbertingen – 48°04’00”N 009°26’00”E
  • 22.06.2001 - Deisendorf – 47°46’00”N 009°18’00”E
  • 07.06.2002 - Deisendorf – 47°46’00”N 009°13’00”E
  • 04.01.2004 - Böhringen – 47°45’00”N 008°56’00”E
  • 21.12.2004 - Böhringen – 47°45’00”N 008°56’00”E
  • 01.01.2006 - Deisendorf – 47°46’00”N 009°13’00”E
  • 21.10.2008 - Salem, Affenberg – 47°47’00”N 009°17’00”E
  • 17.04.2011 - Meggen – 47°03’00”N 008°23’00”E
  • 26.04.2011 - Meggen – 47°03’00”N 008°23’00”E


Fundmeldungen zwischen 1993 und 2011

Der Storch ist mit einer lebhaften Symbolik behaftet. Wenn der Storch kommt, ist Kindersegen nicht weit. Der vermeintliche Kinderbote landete bereits im Februar 2010 einmal in Meggen, damals auf dem Kirchturm. Pfarrer Hanspeter Wasmer war gemäss Pfarreiblatt 6/2000 jedenfalls erleichtert, dass er „nur“ auf dem Kirchturm und nicht auf dem Dach des Pfarrhauses landete. Die Freude am Erscheinen des Storches war auch im 2010 gross: „Möge er uns also ein froher Bote des Frühlings sein, nicht nur für die Natur, auch für unserer Pfarrei!“


Foto: Martin Lötscher, 2011

Zur Symbolik zitierte Hanspeter Wasmer aus dem Kunstlexikon  von P.W. Hartmann:

„Storch, da sich der Weissstorch von am Boden lebendem Getier ernährt, das nach altem Volksglauben die Seelen Verstorbener in sich aufgenommen hat, galt der Storch im Mittelalter als Seelenträger. Obwohl in der Bibel zu den unreinen Tieren gezählt, wurde er dadurch, dass er auch Schlangen frisst, im Mittelalter als Feind des Bösen und Symbol des Guten betrachtet. Als wiederkehrender Zugvogel war der Storch früher auch Symbol für die Auferstehung und, wegen seines für einen Vogel oft hohen Alters, für langes Leben. Durch seinen Lebensraum in der Nähe stehender oder langsam fliessender Gewässer, die seit jeher als lebensspendend angesehen werden, gilt der Storch seit dem 19. Jh. in Märchen und im Volksmund auch als Kinderbringer, der Babys im Schnabel zu den Menschen trägt und in die vorbereitete Wiege legt.“


Foto: Martin Lötscher, 2011

 

Noch um 1900 in der Schweiz sehr zahlreich, brütete das letzte Paar 1949 in Neunkirch SH. Die einheimische Brutpopulation erlosch. Der kurz darauf gestartete Wiederansiedlungsversuch gelang. Heute gibt es wieder um 200 Brutpaare in der Schweiz. Diese wiederangesiedelten Störche sind nicht ziehende Störche und bleiben in der Region. Die Nachkommen dieser Störche und der kleine Teil der eingewanderten Störche ziehen weg und schliessen sich im Herbst teilweise den durchziehenden Störchen aus dem Norden an. (Die Vögel der Schweiz. Schweizerische Vogelwarte. Sempach 2007) 

Ob nun der Megger Storch eine Pause auf der Durchreise vom warmen Süden in den Norden eingelegt hat, ob er in Meggen bleibt und brütet, oder ob er einer der nicht ziehenden Störche ist und einen Ausflug an den Vierwaldstättersee macht, bleibt ein Rätsel.

Den Störchen gefällt es in Meggen. Beinahe jedes Jahr kehrt mind. ein Storch nach Meggen zurück.

Wäre es nicht schön, wenn Meggen ein Weissstroch Brutpaar beherbergen könnte?
Viel braucht es nicht:

  • stellen wir einen Horstplatz zur Verfügung, zum Beispiel auf einer der sechs Pappeln vor dem Zentralschulhaus.
  • stutzen wir die Spitze zurück
  • lassen wir das Schnittgut von einigen Obsbäume liegen

Im Turm des Zentralschulhauses könnten wir eine Webcam installieren und zuschauen, wie ein Storchenpaar 3 – 4 junge Störche in die Welt setzen würde. Megger Störche! Ein froher Bote der Gemeinde Meggen.

http://www.storch-schweiz.ch
Aktionsplan Weissstorch Schweiz

Haben Sie spannende Bilder des Megger Storches?
Senden Sie uns die Bilder per Email: martin.loetscher@zeitbildmeggen.ch


Foto: Martin Lötscher, 2011

Storchengalerie


Foto: Paul de Groot, 2011


Foto: Martin Lötscher, 2011


Foto: Martin Lötscher, 2011

 
Foto: Martin Lötscher, 2011


Foto: Martin Lötscher, 2011


Foto: Martin Lötscher, 2011

 

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Tsunami-Gefahr in Meggen?

Das schwere Erdbeben der Stärke 9.0 sowie der folgende Tsunami am 11. März 2011 haben Japan in die schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Wenige Stunden nach dem Beben hat die Tsunami Flutwelle die amerikanische Westküste erreicht. Für die ganze Pazifik Region wurde eine Tsunami Warnung ausgegeben. Der Pazifik entwickelte sich zur schwappenden Suppe.

Tsunami-Gefahr auch in Meggen?


Foto: Martin Lötscher, 2011

Tsunamis unterscheiden sich von den von starken Winden an den Oberflächen eines Gewässers erzeugten Wellen. Die vom Wind aufgepeitschten Wellen haben relativ kurze Wellenlängen. Sie schlagen typischerweise in Abständen von etwa 10 Sekunden ans Ufer. Die langwelligen Tsunamis treffen mit Abständen von 45 Minuten auf das Festland.

Der Unterschied von Wellental zu Wellenberg eines Tsunami beträgt auf hoher See oft nur einige Zentimeter. Die Tsunami Wellen sind nicht spürbar und kaum messbar. Die oft durch Erdbeben ausgelösten submarinen (unter der Wasseroberfläche) Erdrutsche verdrängen riesige Volumen Wasser. Es entstehen energiereiche Wellen, die sich in alle Richtungen ausbreiten.


schematische Darstellung des Rutschungsablaufs und der Wellenbildung. Im Anrissbereich sackt der Seeboden durch die Rutschung ab, was zum Absenken des Wasserspiegels führt. An der Front der Rutschung wird Wasser verdrängt, weicht nach oben aus und bildet einen Wellenberg an der Wasseroberfläche. (Gaia, 2003)

Diese Tsunamis sind keine oberflächigen Wellen. Oft reichen sie bis zu Meeresgrund. Liegt der Meeresgrund in einer Tiefe von z.B. 6000 Meter, so bewegt sich die Welle mit einer Geschwindigkeit von ca. 800 Kilometer pro Stunde. In Ufernähe und seichteren Gewässer verlangsamt sich die Welle, die Wellenlänge nimmt ab. Die in der Welle gespeicherte Energie geht aber nicht verloren, sondern lässt die Welle bei abnehmender Geschwindigkeit auf eine Höhe bis zu 30 Metern ansteigen.

Eine Tsunami Wucht kamen 1601 auch die Einwohner von Meggen zu spüren. Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat (1545 – 1614) war auf dem Heimweg von Arth nach Luzern als er sah, wie am Küssnachtersee Schiffe „ussgeworfen am gestad, by 50 guotter schritten wyt hindersich von dem ordenlichen uffer dannen und jn die höhe by zweyen hallenbarthen hoch oder meer obsich geschlagen befunden“, also weit vom Ufer entfernt in einer Höhe von etwa 4 Metern über dem normalen Seespiegel.

„In der Gegend zwischen Küssnacht und Meggen trieben Schiffe, Holzbalken, Schilfrohr und andere Gegenstände nicht nur frei im See herum, sonder lagen auch herausgeworfen an Land, bis 50 Schritte (etwa 40 Meter)  weg vom ordentlichen Ufer und bis zu 2 Hellebarden (3 bis 4 Meter) über dem normalen Seespiegel. […].“

Der zeitliche Abstand von Wellental zu Wellenberg betrug 10 Minuten, so dass die Reuss abwechselnd aus dem See hinaus und kurze Zeit später wieder zurückfloss. Sechs Mal pro Stunde habe die Reuss ihre Fliessrichtung gewechselt. In Luzern schilderte man Cysat, wie das Wasser der Reuss mehrmals versiegt und wieder zurückgekehrt sei, so dass man fast trockenen Fusses die Reuss habe überqueren können. Auch die Mühlen in Luzern müssen stillgestanden sein. 

 
Die Stadtansicht von Martin Martini von 1596/97.


Ausschnitt mit den Mühlen
 
Die durch das Erdbeben 1601 (mit geschätzter Magnitude von 6.2 auf der Richterskala) ausgelöste subaquatische (unterwasser) Rutschung bei Weggis löste die Tsunami Welle aus.  In den Seesedimenten vor Weggis konnten tatsächlich Horizonte mit Rutschungsablagerungen gefunden werden.
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Die Rutschung von 1601 war dabei nicht die einzige. Es konnten in den letzten 15000 Jahren verschiedene Rutschungen identifiziert werden.


Karten: Gaia, 2003

 

Wie konnten solche Rutschungen am Seegrund identifiziert werden?

Mit einem speziellen Sonar ausgerüsteten Forschungsschiff hat ein Team des ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag den Seegrund des Vierwaldstättersees abgetastet. So konnten die Seetiefen bis auf wenige Zentimeter genau bestimmt und schliesslich mit dem Computer dreidimensionale Abbildungen des Seegrundes erzeugt werden (bathymetrische Karten). In diesen dreidimensionalen „Seegrundterrainmodelle“ kann man deutlich die Spuren der Rutschungen, Schlammlawinen und Bergstürze erkennen. So sind die Rutschungen, die durch das von Renwart Cysat beschrieben Erdbeben von 1601 ausgelöst wurden, identifizierbar. Auch sind zwischen Weggis und Vitznau die Trümmer eines grossen Bergsturzes zu erkennen, der vor rund 1’000 v.Chr. von der Rigi in den See donnerte. Die Erhebung südwestlich von Vitznau ist eine Endmoräne aus Schutt, Schotter und Feldblöcken, welche der abschmelzende Reussgletscher am Ende der letzten Kaltzeit vor 15000 Jahren zurückliess. (A.Bryner. Die letzten Geheimnisse vom Seegrund: 3D-Vermessung des Vierwaldstättersees. In: Geomatique Suisse 4/2008)

Auch rund um das Meggenhorn wurde der Seegrund vermessen. Die ufernahen Gebiete wurden leider nicht vermessen. Für die Luzerner Seebucht gibt es gar keine Daten.


Vielen Dank an Michael Hilbe vom Eawag für die zur Verfügung gestellten Bathymetriekarten

Wie gross ist jetzt die Tsunami-Gefahr für Meggen?

Subaquatische Rutschungen können jederzeit entstehen, auch ohne Erdbeben. Eine kleine Tsunami-Gefahr auf dem Vierwaldstättersee ist daher nicht ganz auszuschliessen.

 

Da das Erdbeben von 1601 als Zeichen für Gottes Zorn galt, erliess der Rat von Luzern u.a. ein Tanzverbot, das bis zur nächsten Fasnacht gelten sollte (vermutlich ist damit die Herbstfasnacht gemeint, die bis 11. November/Martini dauerte).

 

Quellen:

 

 

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Webcam (8° 22.593 Ost 47° 2.931 Nord)

«Plötzlich hat die Kamera tausend Augen. Linsen fügen sich vernetzt zu einer einzigen, ständig fotografierenden Kamera, der heimische Bildschirm ist der Sucher, die Maus der Fänger, die Webcam das Objektiv.» (Kurt Caviezel)


Meggen, 25.03.2011, 10:35:02, Link

Das Bild der Webcam auf dem Zentralschulhaus in Meggen ist eigentlich äusserst uninteressant. Es ist bekannt, immer derselbe Bildausschnitt, die gleichen Strassen und Gebäude, der VBL-Bus an der Haltestelle. Ausser der Licht- und Wetterstimmung ändert sich nichts. Um zu erfahren, wie das Wetter ist, können wir auch aus dem Fenster schauen. Es sei denn, man ist in den Ferien oder auf Geschäftsreise und wolle sich über das Wetter in Meggen informieren, wieso auch immer.

Und gleichwohl fasziniert das Webcambild. Es ist wahrscheinlich das aktuellste, jederzeit verfügbare Zeitbild. Es ist uns möglich, ohne das Haus zu verlassen, vom Computer aus, vom Dach des Zentralschulhauses zu blicken. Wir können aus der privaten Stube einen Blick in den öffentlichen Raum werfen, teilhaben an der realen Welt.

Und dies macht auch Kurt Caviezel. „Kurt Caviezel, 1964 in Chur geboren, fotografiert die Welt mittels öffentlich zugänglicher Webcams. Er bewegt sich also nicht wie ein konventioneller Fotograf mit einer Kamera am Auge in einem bestimmten Umfeld und hält den «entscheidenden Augenblick» im Fluss des realen Geschehens fest. Sondern er sitzt zu Hause am Computer, «flaniert» per Mausklick durch das ganze Internet und sammelt Bilder, die für kurze Zeit auf seinem Bildschirm aufscheinen, bevor sie von nachfolgenden wieder überschrieben werden.“ (Martin Gasser. Wenn die Webcam Fotografin spielt. Tagesanzeiger. 25.02.2010.)


www.kurtcaviezel.ch; Bus Stop

„Reportagen mittels Webcams zu fotografieren zeitigt – nebst anderen – auch diesen Vorzug: Das Akklimatisieren mit Kamera und Körper entfällt; man ist immer schon da. Die Cams sind als Dinge permanent ins Geschehen eingebettet. Die Einschränkung bei der Wahl des Bildausschnittes (konzeptionell wiederum von Vorteil) wird aufgewogen durch die Fülle an Cams und Bildmotiven.“ (www.kurtcaviezel.ch)


www.kurtcaviezel.ch

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Wie der amerikanische Gauner Wilcox auf Schloss Meggenhorn den Goldschmied Frésard aus Luzern „über den Tisch zog“.

„Während des ersten Weltkrieges ereignete sich auf Meggenhorn folgende Gaunergeschichte: Es war im Sommer 1915, als das Schloss zur Vermietung ausgeschrieben war. Als Interessent meldete sich ein gewisser Amerikaner namens Wilcox, der auch der deutschen Sprache mächtig war. Er besichtigte das Schloss und die Umgebung, machte es sich im Saal bequem und telephonierte gegen Mittag dem Goldschmied Frésard in Luzern, er wäre gern Käufer von Uhren und Schmucksachen. Frésard fuhr in einer Drotschke vor und legte in Erwartung eines guten Geschäftes eine reiche Auswahl auf das Billiard. Ein Kauf war bald abgeschlossen. Als Zahlung überreichte der „Schlossmieter“ dem erfreuten Goldschmied aus seiner Brieftasche einen Check auf eine Luzerner Bank und nahm die gewünschten Wertsachen zu sich. Kurz vor 12 Uhr sprach er den Wunsch aus, mit einer Schaluppe auszufahren, mit der Bemerkung, dass seine Dienerschaft jeden Augenblick eintreffen könne und dass er auf 1 Uhr zum Mittagessen komme. Mein Vater begleitete den nicht gerade nobel gekleideten Herrn an den See, übergab ihm das beste Boot mit den Rudern und stiess ihn vom Ufer ab. Als Goldschmied Frésard am Nachmittag den Check einzulösen im Begriff war, bedeutete ihm zu seinem Schrecken der Bankbeamte, dass es sich um eine Fälschung bzw. einen ungedeckten Check handle. Die Schaluppe wurde später in Hertenstein aufgefunden und der Schwindler mit einem Barbetrag von 15 Rappen in der Tasche in Aarau von der Polizei verhaftet.“ 


Foto: Martin Lötscher, 2009

Die Gmeindsposcht Meggen veröffentlichte im Mai 1977 diese Erinnerung von Franz Durrer. Im Januar 1975 gratulierte Franz Durrer der Gemeinde Meggen zum Erwerb der Schlossliegenschaft Meggenhorn. Der Vater von Franz Durrer war Schlosswart und Verwalter des Schloss Meggenhorn, als das Schloss im Besitze von Madame Heine und später der Familie Fould-Heine war. Der 1891 geborene Sohn Franz verbrachte seine Jugendzeit auf Meggenhorn. Seine Erinnerungen an diese Zeit wurden in den Ausgaben der Gmeindsposcht Mai, Juli und September 1977 veröffentlicht.

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Fotograf parkiert spektakulär

Am 09. November 1959 fuhr ein Fotograf der Hauptstrasse in Meggen entlang und fotografierte die Strasse auf und ab. Es entstand eine Bildserie, die im alten Gemeindearchiv Meggen archiviert ist. Auf den Fotografien ist mehrmals einen VW Käfer mit Nummernschild LU 20007 zu erkennen.

Es ist davon auszugehen, dass dies der Wagen des Fotografen war. Gemäss Motorfahrzeug-Verzeichnis von 1958/59 war der Ingenieur Roderich Wintergerst aus Meggen der Besitzer dieses VW Käfers. Seine für heutige Zeit doch spektakuläre Art und Weise, den Wagen auf der Strasse zu parkieren, ist dabei auffallend. Die durch seine Parkmanöver erzeugten Engpässe im Verkehrsfluss der Hauptstrasse waren für diese Zeit wahrscheinlich nichts Ungewöhnliches. Die Bilder sind mittlerweile 52 Jahre alt und zeugen bereits von einer erheblichen Entwicklung und Veränderung des Megger Strassenbildes. Spannende Zeitbilder!

Die Bildserie mit einer Gegenüberstellung der heutigen Situation finden Sie in der Rubrik Einst – Heute

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Warum Ingenieur Galli an der Geologie verzweifelte

Ingenieur Galli von der Firma Galli und Cie, Küssnacht, verzweifelte an der Geologie in Meggen. Er erhielt 1895 den Auftrag, die Bahnstrecke Luzern – Immensee zu bauen. Schon bald nach Beginn der Bauarbeiten 1895 wandte er sich mit einem Brief verzweifelt an den Oberingenieur der Gotthardbahn.

„Hochgeachteter Herr!
Seit 7 resp. 12 Monaten haben wir uns mit aller macht und Energie an die Lösung der übernommenen Verpflichtungen herangemacht & haben wir nichts unversucht gelassen um den Betrieb unserer Arbeiten ökonomisch wie nur möglich zu gestalten. DIe Zeit ist nun da wo wir uns Rechenschaft geben müssen & leider ist das Resultat unserer Zusammenfassung ein trostloses.“

Er schilderte dem Oberingenieur der Gotthardbahn, dass seine finanziellen Mittel bald erschöpft seien. Als eine Begründung gab er die unvorhergesehenen schlechten Bodenverältnisse an. Statt auf den weichen Sandstein stiessen sie auf harten Nagelfluh. Auch mit bestem Gelatin-Dynamit I erreichten sie lediglich einen Stollenfortschrift in 24 Stunden von einem Meter. Diese  zum Teil unvorhergesehenen harten geologischen Bedingungen trieben die Kosten der Bahnstrecke Luzern – Immensee in die Höhe.

Nagelfluhrippe und Mergelbänke
„Das alte Habsburgeramt liegt auf der Grenzscheide des Mittellandes und der romantischen Kette der Voralpen. Seine südlichen Hänge steigen aus der klaren Flut des Vierländersees und eröffnen auf den Höhen den Blick ringsum in bläuliche Ferne. Hier inmitten einer hehren Gotteswelt, dehnen sich die fruchtbaren Baumgärten und saftigen Wiesen von Meggen, umsäumt von dunklem Tannenwald.“ (Achermann, Zum Geleit, Stalder 47)    


Blossegg inmitten der Rippenlandschaft. Luftbild Martin Lötscher, 24.06.2010

Diese hehre Gotteswelt liegt auf Nagelfluh, Kalkstein und Mergel, auf der äusseren Zone der subalpinen Molasse, genauer in der unteren Süsswassermolasse. Wie jede Molasse ist diese aus einer Wechsellagerung von weichen Mergeln und Sandsteinen sowie harten Nagelfluhbänken aufgebaut. Sie besteht zur Hauptsache aus grauen oder rötlichen, weichen Sandsteinen, wechsellagernd mit grauen, graugrünen und roten oder violetten Mergeln – und Kalkmergeln. Dazwischengeschaltet sind Bänke von bunter Nagelfluh. Wegen des Gehaltes der Sandsteine an roten Feldspatkörner wird diese Molasse auch als granitische Molasse bezeichnet.

Da die ganz verschiedenen verwitterbaren Schichten dieser Süsswassermolasse gefaltet und steil aufgestellt sind, entstand durch Gletscher- und Wassererosion eine typische Rippenlandschaft. In den entstandenen Senken hinterliessen die Grundmoränen des Reussgletschers und des Brünigarmes des Aaregletschers während der Würmeiszeit lehmigen Schutt, der den schon an sich nur wenig wasserdurchlässigen Molassefels verschmierte und noch ganz undurchlässig machte. So konnten sich hier nach den Eiszeiten kleine Seen bilden, die aber bald durch Torfbildung verlandeten. Während des 20. Jh. wurden sie denn auch allesamt zum Torfstechen genutzt.


Schrebergärten auf Nagelfluhrippe. Luftbild Martin Lötscher, 24.06.2010

Torfstichweiher im Hofmatt
So ist Meggen reich an Moorlandschaften. Prominentester Vertreter das Moor im Hofmattgebiet. Nach dem Rückzug der letzten Gletscher blieb im Hofmatt ein Weiher zurück. 1880 wurde der Weiher abgelassen um Torf zu stechen. Die Torfschichten waren bis 8 Meter mächtig. Der Torf diente als Ersatz für die fehlende Kohle.  Beim Torfstechen wurde ein Beckengürtel eines Pferdes gefunden. Vier Jahre später kam ein Steinbeil aus Nephrit und einige Geweihstücke eines Hirschen zum Vorschein. Ob das Hofmattgebiet länger von Menschen bediedelt war, oder ob neolithischer Pfahlbauer das Steinbeil in der Hofmatttmulde beim durchziehen verloren hat, wissen wir nicht.


Hofmattweiher um 1900-1910. Fotograf unbekannt.

Es entstand einen Torfstichweiher. Gespiesen wurde er vom Mühlebach und vom umgeleiteten Stampfibach. Der kleine „Stausee“ diente den verschiedenen Produktionsstätten im Mühletal. Mit Wasserkraft stammpfte man Knochen und produzierte Eisenwaren.

Nachdem im ersten Weltkrieg letztmals Torf gestochen wurde, verlandete der Weiher und diente später als Kehrichtdeponie.

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Das Chauffeurhaus Grünegg

Es war ein besonderes Haus. Ein Haus, in dem Geschichten entstanden und Geschichten vergingen. Ein Haus in Meggen wie viele andere auch. Und trotzdem war es etwas besonderes.  Im Jahr 1900 reichte Jules Ephrussi, ein Bankier aus Paris, ein Baugesuch ein für eine Garage mit Chauffeurwohnung, das Grünegg.  Eine Garage für seinen Wagen mit Kennzeichen LU 2247 und eine Wohnung für den Chauffeur. Jules Ephrussi besass damals die Villa Ephrussi, Vorgängerin der heutigen Villa Heckenried. Er liess das Grünegg im neugotischen Stil mit Bruchsteinfassade und markanten Kamine bauen. Ein um die Jahrhunderwende beliebter Baustil, auch wenn dieser sonst eher bei den Herrenhäuser als für Dienstboten- und Garagengebäude angewendet wurde.


Abbrucharbeiten, 21.09.2009. Luftbild: Martin Lötscher 2009

Könnten die Wände der zwei Dreizimmerwohnungen sprechen, was würden sie erzählen?

Sicher vom Chauffeur, der einst den Wagen von Jules Ephrussi in die schützende Garage parkierte und darauf den Lack auf Hochglanz polierte. Aber auch von den Jugendlichen, die das Grünegg besetzten und dem Haus wieder Leben einhauchen wollten. Hausbesetzer, die bei Tomatenspagetti mit dem „Öko-Terroristen“ Marco Camenisch sympathisierten.


Luftbilder: Martin Lötscher 2009

Nachruf der Denkmalpflege Luzern:
“Das Haus Grünegg war zusammen mit den Schlössern und Villen am See eines der am aufwendigsten gestalteten Gebäude der Belle Epoque in der Gemeinde Meggen. Der Bau bestach aber nicht nur durch seine aussergewöhnliche Formensprache, sondern auch aufgrund seiner exponierten Lage, so dass die “Grünegg” eine eigentliche Landmark darstellte, die von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und geschätzt wurde. Zusammen mit dem Restaurant Kreuz, der Trotte, dem ehemaligen Gemeindehaus und den angrenzenden Wohnbauten bildete die “Grünegg” Teil eines für die Geschichte der Gemeinde und für das Ortsbild wichtigen Ensembles. Es handelte sich um eines der wenigen noch intakten Bauensembles in Meggen.
Das Haus Grünegg wurde durch das damalige Justiz-, Gemeinde- und Kulturdepartement mit Entscheid vom 25. Juni 2003 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. Gegen diesen Entscheid erhob die Eigentümerschaft Verwaltungsbeschwerde. Wegen der Unverhältnismässigkeit einer Restaurierung gemäss verschiedener fachlicher Gutachten lehnte der Regierungsrat die Unterschutzstellung in seinem Entscheid vom 31. März 2009 als zweite Instanz ab. Hierauf wurde die “Grünegg” abgebrochen. Eigentümer: Rudolf Scherer, 549 Tahosroad, USA-Orinda, 94563 California.” Henning Barbara. Verluste und Verzichte. In: Historische Gesellschaft Luzern, Jahrbuch 28, 2010.


Foto: Denkmalpflege Luzern

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Waren die ersten Megger Pfahlbauer?

Lebten die ersten Megger in pfahlgetragenen Strandhäuser, in Pfahlbauten? Das Bild der Pfahlbauten begeistert uns schon lange. Obwohl man sich heute in Fachkreisen einig ist, dass man von dieser romantischen Idylle, die eine so ungeheure Popularität erlangt hat, endgültig Abschied nehmen muss.

Trotzdem:
Mit der Entdeckung der ersten neolithischen Seeufersiedlung in Kehrsiten im Sommer 2003 durch den Sporttaucher Thomas Christen wird der Vierwaldstättersee zum potentiellen Pfahlbaugebiet. Die Gletscher zogen sich ab 17‘000 v. Chr. kontinuierlich zurück. Sie hinterliessen Moränen, Findlinge, Seen, Weiher und Tümpel (zum Beispiel Moosmatt). Der Boden begann sich zu bilden und die ersten Pionierpflanzen begrünten die postglaziale Landschaft. In der Tundra folgten die nomadisierenden Jägergesellschaften den Rentierherden. Knochenfunde von Rentier, Wildpferd, Hirsch und Wolf aus der oberhalb des Vierwaldstättersees gelegenen Fundstelle Meggen-Lärchenbühl, die um 1898 gefunden wurden, dürften Zeugen dieser Zeit sein. Leider sind die Fundstücke verschollen.

Beim Bau des Lärchenbühlbahntunnels 1895 kam das Moorgebiet oberhalb dem Einschnitt auf der Megger Seite in Bewegung. Der gewaltige Hangrutsch bereitete den Bahnbauern erhebliche Probleme. Nur durch grosse und ausgedehnte Stützmauern konnte diese Terrainbewegung zum Stillstand gebracht werden. Bei den Aufräumarbeiten der abgerutschten Erdmassen stiessen die Bahnarbeiter zufällig auf die Funde der vermuteten Lärchenbühler Rentierstation. Diese Rentierjäger waren Nomaden und bevölkerten nicht permanent den Meggerboden. 

 In der Mittelsteinzeit wird das Klima zunehmend wärmer. Zuerst wachsen Föhren und Birken, später werden die Wälder dichter. Der Hirsch wird zum wichtigsten Beutetier. In der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 v.Chr.) werden die Menschen sesshafter. Langsam sinkt der Spiegel des Vierwaldstättersees. Es ist die Zeit der Pfahlbauten.

Die Siegfriedkarte von 1890 bezeichnete die in Reih und Glied stehenden Hölzer mit Pfahlbauten. Bereits 1911 wies Vizedirektor Viollier vom Landesmuseum in Zürich aber darauf hin, dass diese Pfähle nicht aus dem Neolithikum, sondern aus dem Mittelalter stammen.


Siegfriedkarte von 1890, siehe Pfahlreihen.

Dies liess die Forscher nicht in Ruhe. Die Prähistorische Kommission der Naturforschenden Gesellschaft Luzern hält 1916 fest: „Auch das Gebiet des Vierwaldstätter Sees birgt Kulturreste, die seit Jahrtausenden, wohl verwahrt, in seinem Schosse ruhen. Sie werden aus dieser geheimnisvollen Unterwelt an das helle Licht des Tages treten. Diese Zeugen aus längst verschwundener Zeit werden beitragen, die Geschichte der ältesten Bewohner der Urschweiz zu enträtseln.“ (Amrein Wilhelm, Urgeschichte des Vierwaldstätter Sees und der Innerschweiz. Aarau 1939. Nach vorausgehenden Sondierungen, u.a. wurde die Pfahlanlage vor der Altstad erstmals vermessen, wurde 1926 Baggermaschinen aufgefahren. Der Seeboden bei Altstad wurde umgepflügt. Die Forscher waren enttäuscht. Technische Schwierigkeiten und die hohen Kosten veranlassten, die Forschungen auf dem Lande zu beschränken.

 
Baggerarbeiten bei der Insel Altstad 1926. (Original und Fotograf unbekannt)

Kann es wirklich sein, dass es keine Megger Seeufersiedlung (Pfahlbausiedlung) gibt?

Steil abfallende Ufer und der heute höhere Seespiegel seien verantwortlich, dass keine Seeufersiedlungen gefunden wurden.  Wie bereits 1911 vermutet wurde, stammen die Pfahlreihen vor Altstad aus dem Mittelalter. Dendrochronologische Untersuchungen bestätigen, dass die Pfahlreihe in erster Linie als seeseitiges Annäherungshindernis der Burg der Habsburger auf der Insel Altstad diente. Da die Altstad auch als Warenumschlagplatz diente, setzte man diese „Hafenpfähle“ als Schutz der vertäuten Schiffe vor starkem Wellenschlag und räuberischen Schiffsbesatzungen ein. (Der ehemalige Umladeplatz wurde mit “Altstad” = “alte Landestätte” benannt.) (Manser Jürg, Meggen, Insel und Burg Altstad. In: Jahresbericht der Kantonsarchäologie Luzern 2000.)

 Dass die ersten Megger in Pfahlbauten über dem Wasser lebten, ist wohl eher unwahrscheinlich. „Was hätte eine Bauernbevölkerung veranlassen können, ausgerechnet im amphibischen Übergangsbereich zwischen offenem Wasser und Land, dessen periodische Überschwemmung ja Seeanwohnern nicht verborgen bleiben konnte, zu siedeln? (Speck Josef, Pfahlbauten: Dichtung oder Wahrheit). Dass es an den Ufern des Vierwaldsättersees Feuchtbodensiedlungen mit eingerammten Pfähle gab ist spätestens nach dem Fund in Kehrsiten unbestritten

Gemäss dem stellvertretenden Kantonsarchäologie Ebbe Nielsen ist anzunehmen, dass sich viele mittelsteinzeitliche Siedlungsstellen an den früheren, heute tief unter dem Seespiegel gelegenen Ufern des Sees befinden und somit kaum je gefunden werden.


Nagelfluhinseln bei Altstad. Kleine Kapelle mit Hl. Niklaus Statue. Luftbild: Martin Lötscher 2011.

 Suchen wir weiter nach den Spuren der ersten Megger.

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Zeitbild Meggen – neuer Megger Blog

Willkommen zum neuen Megger Blog. „Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten.“ In Form eines Web-Blog, einer tagebuchartig geführter, öffentlich zugänglicher Webseite, soll ein Zeitbild von Meggen entstehen. Mit Hilfe dieses Blogs sollen Bilder, Geschichten, Fotos und Erlebnisse gesammelt werden. Wir sind daran interessiert, ein lebendiges Projekt ins Leben zu rufen, an dem möglichst viele Menschen beteiligt sind und zu dem möglichst viele Menschen beitragen können. Uns interessiert das lebendige Jetzt. Dabei sollen nicht nur Bilder im eigentlichen Sinne des Wortes gesammelt werden, sondern auch Bilder, die wir im Kopf haben, Erinnerungsbilder, Geschichten, aus denen Bilder entstehen.


Colonialwaren Xaver Rast um 1918 (Trautheim) .

 

Wir fragen uns, was von uns und unserer Geschichte, unserer Zeit übrig bleiben wird. Was bedeutet Geschichte in einem Dorf, das weit weg liegt von den Orten in denen Geschichte geschrieben wird? Historische Bildern laden zum Erinnern und Nachdenken ein, vielleicht auch über die heutige Situation. Eine Beschäftigung mit dem Wandel und der Zukunft der Gemeinde Meggen.

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martin.loetscher@zeitbildmeggen.ch

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